Unternehmensberater, IT-Berater und andere bunte Vögel.

Viele Merkmale des grellen langbeinigen Vogels lassen ihn als einen merkwürdigen, ungewöhnlichen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehenden und für besondere Aufgaben geschaffenen, „seltsamen Vogel“ erscheinen. Was beim flüchtigen Blick unauffällig daherkommt wenn auch exotisch wirkt, ist beim genauen Betrachten jedoch gesonderter Ordnung. Neben den Stelzenbeinen sind der lange Hals, und die Art der Nahrungsaufnahme für ihn kennzeichnend.

Beim „Gründeln“ – auch Ist-Analyse oder noch besser Prozess-Analyse genannt – liegt der bauchige Unterschnabel auf dem Boden des Terrains – also umgekehrt zur Normhaltung. Die Schnabelränder wirken wie ein Sieb und der Oberschnabel dient zum Sichern der ausgefilterten Grundwerte. Einige haben einen feineren andere einen gröberen Filter in ihrem ohnehin ausgefallenen Schnabel; entsprechend fällt auch die Ausbeute sehr unterschiedlich aus, trägt aber in jedem Fall zur Erhaltung der Arten bei. Vielerorts scheint der Bestand gering. In ertragreichen Gegenden treten sie hingegen zahlreich auf (z.B. in der Informations-Technologie kurz IT genannt). Er gilt jeweils als der größte Spezialist und hat in seiner Art etwas Virtuelles.

Wenn sie glauben, es handele sich hier um den „bunten Vogel“, den man Flamingo nennt, so irren Sie. Wenn Sie aber schon gemerkt haben, daß es sich hier nicht wirklich um einen Vogel sondern um eine ganz besondere Spezies handelt und in erster Linie an Berater denken, so liegen sie nicht falsch. Eine Spezies, der großes Vertrauen, hohe Professionalität, Sachkompetenz, Gründlichkeit und Verschwiegenheit als berufstypische Charaktereigenschaften attestiert werden.

Besonders in der IT-Beratung, bei der Auswahl und Einführung von ERP, MES, MDE, CRM und sonstigen mit kryptischen Abkürzungen versehenen Systemen setzen diese Spezialisten „neugültige Maßstäbe“ oder schaffen eine besondere Art von Desorientierung. Dabei helfen ihnen besonders der lange Hals und der große Schnabel. Wenn Sie erst einmal begonnen haben zu „Gründeln“, wird ihre weitere Tätigkeit und Unterstützung – ihre Beratung sozusagen – zwangsläufig und langläufig.

Bei der Intransparenz der IT-Systeme, um bei diesem Thema zu bleiben, fragt man sich erst gar nicht, ob man die Berater braucht, sie sind einfach notwendig, im Sinne von Not abwenden. Das macchiavellsche Prinzip: gebe nie einen Rat, wenn du nicht darum gefragt wirst, scheint weitestgehend unbekannt. Rat wird verkauft. Darin liegt die Rechtfertigung. Nicht, daß sie nur an der Oberfläche fischen, nein. Mit ihren langen Beinen wagen sie sich auch in tiefere Gewässer und fördern Dinge zu Tage, von denen man nicht einmal zu träumen wagte, so daß sich schließlich die Frage stellt, liegt die Krankheit im Unternehmen oder im System oder ist die Beratung die Krankheit?

Jedenfalls sollte gerade bei dieser Spezies nach der Güte und dem Fundament gefragt werden: sind es wirklich neue Ansätze, sind sie nicht einseitig oder ausschließlich sondern umsichtig, weitreichend und nachhaltig? War es nicht ein „im Trüben fischen“ sondern ein wirkliches „Gründeln“ d. h. ein Herausfiltern der Grundwerte, Maßstäbe und Nützlichkeiten? Lassen sich die Ergebnisse anwenden? Zu diesen Fragen rät allen, die Beratung brauchen und auch danach fragen jemand, der selbst ein „Flamingo“ ist.

Dennoch: in der Natur mußten die Arten sich der Umwelt und ihren Bedingungen anpassen und man wundert sich, staunt und ist immer noch fasziniert, mit welchem Einfallsreichtum das stattfindet. Darum sollte man dieser artverwandten Spezies genannt Berater vielleicht ein wenig Raum geben, zuhören und prüfen, ob sie nicht doch etwas Nützliches – bottom up oder top down – herausgefiltert haben.

 

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