IT & Business: Mit welchen Herausforderungen sind Unternehmen vor allem konfrontiert (fehlende Standards, Datenschutz…)?

Dr. Karsten Sontow: Um solche umfassenden Wertschöpfungsnetzwerke effizient planen und steuern zu können, sind natürlich normierte Schnittstellen und vereinheitlichte Standards bei der Integration von Maschinen, Sensoren und Cyber-Physischen Systemen ein Muss. Gleichzeitig bedeutet die nie dagewesene Durchdringung der Unternehmen mit Informations- und Kommunikationstechnologie ein erhöhtes Sicherheitsrisiko in Punkto Datenschutz und Datensicherheit. Hier gibt es noch viel zu tun, sowohl für die System- und IT-Anbieter als auch für die Unternehmen selbst. Es laufen zur Zeit einige interessante Forschungsprojekte und Initiativen unter Beteiligung aller Akteure, die uns da ein gutes Stück vorwärts bringen können. Ein Beispiel hierfür ist das Cluster Smart Logistik an der RWTH Aachen, das in seinen Forschungscentern konzeptionell und experimentell mit Anbieter- und Anwenderunternehmen an den Potenzialen und Herausforderungen für Produzenten, Logistikunternehmen und ICT-Anbietern arbeitet.

Insbesondere die firmenübergreifenden Vernetzung fordert aber zunächst auch erst einmal ein gemeinsames Verständnis der Geschäftsmodelle: Wie wird mit welchen Partnern, in welchen Märkten und mit welchen Kundengruppen Geld verdient? Im Kontext von Industrie 4.0 werden in Unternehmen aufgrund neuer Wertschöpfungsprozesse und einer sich verändernden Rollenverteilung in Wertschöpfungsnetzwerken neue, teils disruptive Geschäftsmodelle entstehen. Das heißt man muss sich über methodische Ansätze unterhalten, sie gegebenenfalls vereinheitlichen und konsolidieren. Das reicht von Go-To-Market-Ansätzen über Methoden zur Bedarfsanalyse und -generierung sowie zur Potenzialermittlung bis hin zu Zahlungs- und Abrechnungsmodellen.

IT & Business: Was müssen ERP-Lösungen leisten, damit sie „Industrie 4.0-ready“ sind?

Dr. Karsten Sontow: Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme sind traditionell die zentrale Software zur Steuerung der horizontalen und vertikalen Wertschöpfungsketten. Sie sammeln und verwalten die Datensätze zu Unternehmensressourcen (z.B. Maschinen, Mitarbeiter, Material und Informationen) und Prozessen, die neben dem Wissen um die Geschäftsprozesse den heimlichen Wert eines Unternehmens darstellen.

Während ERP-Systeme heute schon die Integration nahezu aller Unternehmensfunktionen leisten, wird sich die Rolle als Integrationsmittelpunkt im Kontext von Industrie 4.0 noch weiter verstärken. So wird ERP als Integrationsplattform auf der einen Seite Marktdaten, Kundeninformationen, Lieferanten- und Produktdaten aus der Cloud beziehen und diese auf der anderen Seite mit den Produktions- und Logistikdaten aus der Fertigungsebene und der Supply Chain verknüpfen.

Bei „Industrie 4.0-ready“ geht es also zum großen Teil um hohe Performance bei der Datenverarbeitung und beim Datenaustausch, große Flexibilität bei der Planung und Steuerung der Auftragsabwicklung, hohe horizontale und vertikale Integrationsfähigkeit und – nicht zu vergessen – einfache „Handhabbarkeit“, womit hier neben der Usability und der mobilen Verfügbarkeit für immer mehr Anwender auch die  Administration der immer komplexer werdenden Systeme gemeint ist.

Über die technologische Leistungsfähigkeit einer ERP-Lösung hinaus, spielen bei der Realisierung von Projekten im Kontext von Industrie 4.0 aber auch zunehmend das Know-how und das Dienstleistungsangebot des ERP-Anbieters eine wichtige Rolle. Hier geht es darum, einen Partner zu finden, der als Systemintegrator wirken, erweiterte Aufgaben bei der Prozessberatung (z.B. bei Integration und Schnittstellen) wahrnehmen und spezifische Mehrwert-Services (z.B. zur optimalen Vor-Parametrierung der Produktions-Systeme aus gesammelten Daten mittels Predictive Analytics) anbieten kann.

(Interview mit Dr. Karsten Sontow für den IT & Business Newsletter, 2.6.2016)


IT & Business: Industrie 4.0 ist derzeit in aller Munde. Welche strategischen Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen, damit sie sie effizient umsetzen können?

Dr. Karsten Sontow: Es gibt bereits einige Anwendungsfälle für Industrie 4.0, die meisten stammen aus dem Maschinenbau, gefolgt vom Fahrzeugbau und seinen Zulieferern. Dabei werden neue Digitalisierungskonzepte weitgehend mit dem Ziel eingesetzt, bestehende Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten für bestehende Produkte zu optimieren. Und auch mit Erfolg.

Industrie 4.0 verspricht aber noch viel mehr Potenziale, die bisher nur selten ausgeschöpft werden. Neue Geschäftsmodelle z.B. durch Servitization, also dem Übergang vom Produkt zum Service in der Cloud oder die Generierung neuer Geschäftsmodelle auf Basis intelligenter Vernetzung unterschiedlicher Marktteilnehmer finden sich eher selten.

Es fehlen also bisher häufig ganzheitliche Ansätze, die über die bloße Anwendung digitaler Technologien auf dem Shopfloor hinausgehen und die horizontale Integration über die Wertschöpfungsnetzwerke insgesamt berücksichtigen.

IT & Business: Mit welchen Herausforderungen sind Unternehmen vor allem konfrontiert (fehlende Standards, Datenschutz…)?

Dr. Karsten Sontow: Um solche umfassenden Wertschöpfungsnetzwerke effizient planen und steuern zu können, sind natürlich normierte Schnittstellen und vereinheitlichte Standards bei der Integration von Maschinen, Sensoren und Cyber-Physischen Systemen ein Muss. Gleichzeitig bedeutet die nie dagewesene Durchdringung der Unternehmen mit Informations- und Kommunikationstechnologie ein erhöhtes Sicherheitsrisiko in Punkto Datenschutz und Datensicherheit. Hier gibt es noch viel zu tun, sowohl für die System- und IT-Anbieter als auch für die Unternehmen selbst. Es laufen zur Zeit einige interessante Forschungsprojekte und Initiativen unter Beteiligung aller Akteure, die uns da ein gutes Stück vorwärts bringen können. Ein Beispiel hierfür ist das Cluster Smart Logistik an der RWTH Aachen, das in seinen Forschungscentern konzeptionell und experimentell mit Anbieter- und Anwenderunternehmen an den Potenzialen und Herausforderungen für Produzenten, Logistikunternehmen und ICT-Anbietern arbeitet.

Insbesondere die firmenübergreifenden Vernetzung fordert aber zunächst auch erst einmal ein gemeinsames Verständnis der Geschäftsmodelle: Wie wird mit welchen Partnern, in welchen Märkten und mit welchen Kundengruppen Geld verdient? Im Kontext von Industrie 4.0 werden in Unternehmen aufgrund neuer Wertschöpfungsprozesse und einer sich verändernden Rollenverteilung in Wertschöpfungsnetzwerken neue, teils disruptive Geschäftsmodelle entstehen. Das heißt man muss sich über methodische Ansätze unterhalten, sie gegebenenfalls vereinheitlichen und konsolidieren. Das reicht von Go-To-Market-Ansätzen über Methoden zur Bedarfsanalyse und -generierung sowie zur Potenzialermittlung bis hin zu Zahlungs- und Abrechnungsmodellen.

(Interview mit Dr. Karsten Sontow für den IT & Business Newsletter, 2.6.2016)


Ist bei Ihnen das „papierlose Büro“ noch in weiter Ferne oder schon so gut wie Realität? Der Bitkom hat zu diesem Thema eine Studie durchgeführt und dabei mehr als 1.000 Unternehmen befragt. Aus den Ergebnis wurde der Digital Office Index abgeleitet, der auf einer Skala von 0 bis 100 anzeigt, wie digitalisiert die Büro- und Verwaltungsprozesse im Unternehmen sind. Im Durchschnitt erreichten die befragten Unternehmen einen Wert von 50 – der Weg ist also (erst? schon?) halb geschafft.

Wenn Sie wissen wollen, wie Ihr Unternehmen abschneidet, machen Sie den Test unter www.it-matchmaker.com/digital-office-index!

Über das Benchmark-Tool ermitteln Sie Ihren eigenen Digital Office Index und können Ihre Ergebnisse mit denen der 1.000 zuvor befragten Unternehmen vergleichen.

Gehören Sie zu den Digitalisierungs-Vorreitern? Oder ist Ihr Unternehmen vielleicht auf gutem Weg aber bisher im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche unterdurchschnittlich digitalisiert?

Bitkom Digital Office Index

Initiiert durch den ECM-Arbeitskreis „Markt & Strategie“ und unterstützt durch rund 20 Sponsoren hat der BITKOM erstmals den BITKOM Digital Office Index ermitteln lassen.

Dazu wurden die Unternehmer per Telefoninterview zum Stand der Digitalisierung vor allem in Bezug auf ihre Büro- und Verwaltungsprozesse befragt. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: So sind die Digitalisierungsvoraussetzungen insgesamt gut, die Umsetzung weist jedoch noch Potenziale auf. Immer noch digitalisieren größere Unternehmen mehr als kleinere. Hier gibt es offenbar verschiedene Hemmnisse, die vor allem die kleineren Unternehmen zurückhaltend agieren lassen. So dämpft der Investitionsbedarf in vielen Fällen den Fortschritt: Immerhin sechs von zehn Unternehmen gaben an, dass dieser im Vergleich zu dem zu erwarteten Nutzen durch Digitalisierungsmaßnahmen zu hoch sei. Aber auch Ängste vor Datenverlust oder unerlaubtem Zugriff auf sensible Unternehmensdaten durch unbefugte Dritte hemmen die Digitalisierung. Hier müssen Software-Anbieter durch gezielte Kommunikationsmaßnahmen noch viel Aufklärungsarbeit leisten.

Benchmarking-Tool

Trovarit unterstützt den BITKOM bei der Sensibilisierung durch die Bereitstellung eines online Benchmarking-Tools, das auf dem IT-Matchmaker basiert. Mit diesem Werkzeug erhalten Unternehmen kostenlos ein fundiertes Benchmarking ihrer aktuellen Digitalisierungssituation im Vergleich zur Gesamtheit der Studienteilnehmer sowie vertiefende Auswertungen für ihre Branche und Größenklasse.

Das Tool zum BITKOM Digital Office Index steht unter www.it-matchmaker.com/digital-office-index ab sofort zur Verfügung.


Jedes Unternehmen erhält täglich zahlreiche Rechnungen. Man stelle sich vor, eine ECM-Lösung übernehme die Erfassung der kompletten Rechnungsdaten und überprüfe im Zusammenspiel mit der ERP-Software eigenständig, ob die aufgeführten Posten rechnerisch in Ordnung sind. Ist der Rechnungssteller bekannt, erfolgt im CRM-System automatisch ein entsprechender Kontakteintrag und gleichzeitig werden die entsprechenden Buchungen in der ERP-Software vorgenommen. Für die Rechnungsprüfung werden automatisch alle Beteiligten per Workflow informiert und nach erfolgter Prüfung die Zahlung veranlasst bzw. eine Reklamation in die Wege geleitet.