ERP aus der Cloud

Die Studie „ERP in der Praxis 2014“ zeigt deutlich, dass der Einsatz von ERP aus der Cloud bis dahin keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Ob sich dies auch in der aktuellen Umfrage ERP in der Praxis 2016 bestätigt, erfahren wir im September.

Analysten und IT-Medien singen nun bereits seit einigen Jahren auch für Business Software wie ERP und CRM unisono das Hohelied auf die Cloud. Verbunden wird damit in der Regel die Bereitstellung der Software über das Internet gegen ein nutzungsabhängiges Entgelt („Service-Gebühr“).

Angesichts günstiger Absatzprognosen  und offenkundiger Verkaufsargumente (z.B. hohe Skalierbarkeit, geringe Komplexität, einfache Implementierung und Updates), ist es kein Wunder, dass nicht nur die großen international agierenden ERP-Hersteller wie SAP, Oracle, Microsoft, Infor, Sage und Epicor konsequent auf die Cloud setzen. Doch wie bei allen Hypes ist auch bei ERP aus der Cloud ein wenig Nüchternheit durchaus angebracht: Zunächst einmal muss klar sein, dass die vielfach propagierten Vorteile der Cloud eigentlich nur mit deren radikalster Variante – der „Public Cloud“ – umfassend realisiert werden können. D.h. Stand heute,

  • Betrieb der Software und Daten in einer
  • Multi-Mandantenumgebung unter weitestgehendem
  • Verzicht auf Modifikationen und mit äußerst
  • begrenzten Möglichkeiten zur Integration in bestehende Software-Landschaften.

Nur in diesem Modell greifen die Economies of Scale in dem Maße, dass sowohl Anwender als auch Anbieter davon profitieren können.

Wenn Unternehmen heute ERP aus der Cloud nutzen, dann handelt es sich laut BITKOM aber überwiegend um die Variante „Private Cloud“, bei der eigentlich kein wesentlicher Unterschied zum traditionellen Hosting in Verbindung mit einer Miete der Software besteht. Klar ist, dass in diesem Szenario von den Vorteilen der Cloud außer der technischen Skalierbarkeit nicht viel übrig bleibt.

Insofern wundert es nicht, dass sich ein großer Teil der häufig beschworenen rasanten Zuwächse der Cloud bei näherer Betrachtung deutlich relativieren – zumindest wenn es um anspruchsvolle Business Software-Lösungen wie ERP geht. So ist laut der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis 2014“ der Anteil der ERP-Neuanschaffungen, bei denen das Betriebsmodell „Cloud“ ausschlaggebend für die Auftragsvergabe ist, mit weniger als 5% derzeit weiterhin recht klein.

Offenbar überwiegen die Vorteile von ERP aus der (Public) Cloud heute vor allem bei Einsatzszenarien, in denen fachlich-funktionale Aspekte weniger stark ins Gewicht fallen als Effizienzaspekte bei Einführung und Betrieb der ERP-Infrastruktur. Diese Charakteristik findet sich zum einen bei kleinen Unternehmen, die über keinerlei Ressourcen für den Eigenbetrieb von ERP-Lösungen verfügen und gleichzeitig auf individuelle Anpassungen verzichten können. Zum anderen  trifft dies auch auf größere bzw. schnell wachsende Unternehmen zu, bei denen sich der ERP-Betrieb auf viele verteilte Standorte erstreckt.