Firmen in der Automobilbranche bewerten ihre ERP-Lösungen tendenziell kritischer als die Anwenderfirmen insgesamt. Das zeigt eine Branchenauswertung im Rahmen der Studie „ERP in der Praxis 2014“. Offenkundig verlangt die Schlüsselindustrie Automotive ihren Systemen mehr ab als der Durchschnitt.

Höchste Qualitätsanforderungen, ein enormer Innovationsdruck und die zunehmende Globalisierung der Produktion kennzeichnen die Rahmenbedingungen für den ERP-Einsatz in der Automobilindustrie. Gleichzeitig kämpft die Branche, die als eine der ersten ihre Prozesse mit Software unterstützte, mit den funktionalen Grenzen ihrer in die Jahre gekommenen ERP-Lösungen. Kein Wunder also, dass die Zufriedenheit mit dem System und mit dem Anbieter auf der Skala von 1 (mangelhaft) bis 5 (sehr gut) durchschnittlich etwas unter der Marke 4,0 (gut) liegt. Die Gründe dafür sind wohl in den Besonderheiten der Branche zu sehen: Komplexe Logistikkonzepte wie Lieferung Just-in-Time oder Just-in-Sequence beispielsweise sind in kaum einer anderen Branche so stark ausgeprägt. Auch die Einschätzung der Relevanz von Themen und Trends im ERP Umfeld aus Sicht der Anwender in der Automobilbranche deutet in diese Richtung. Hier nannten die Befragten vor allem

  • Usability (52 Prozent)
  • Internationalisierung des Software Einsatzes (33 Prozent)
  • Rollen- und kontext-basierte Benutzerführung (32 Prozent)
  • Mobiler Einsatz der ERP-Software (27 Prozent)
  • Enterprise Application Integration (EAI)/Schnittstellen-Management (24 Prozent)

Die hohe Bedeutung der Internationalisierung des Software-Einsatzes spiegelt die aktuelle Entwicklung der zunehmenden Globalisierung der Produktion wieder: Sie stellt die Zulieferer beispielsweise vor die Aufgabe, ihre Produkte nicht mehr nur in Deutschland und Europa, sondern auch an Fertigungsstandorten in Amerika und Asien Just-in-Time anzuliefern. Das kompliziert die Prozesse zusätzlich. Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, wenn mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) als Ziel der Einführung eines neuen ERP-Systems das Vereinfachen und Beschleunigen von Abläufen nennt.

Datenmigration bleibt die Top-Herausforderung

Die größte Herausforderung bei der ERP-Implementierung stellt immer noch die Datenmigration dar – sie wird von knapp 40 Prozent der Befragten genannt. Das sind jedoch rund zehn Prozentpunkte weniger als bei den Industrieanwendern insgesamt, was auf die größere Erfahrung und Prozessreife in der Automobilindustrie zurückzuführen sein dürfte. Im laufenden Betrieb zählen der Aufwand für Release-Wechsel und Upgrades (21 Prozent) sowie Anpassbarkeit und Flexibilität (17 Prozent) neben Ergonomie (14 Prozent), Schnittstellen (14 Prozent) und dem Mangel an oder Wechsel von Support-Personal (11 Prozent) zu den dringlichsten Problemen. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) meldet keine Probleme im ERP-Betrieb.

Wichtigstes Auswahlkriterium: Funktionalität

Wie in anderen Branchen sind die Funktionalität und die Praktikabilität der Lösung die mit Abstand wichtigsten Kriterien, wenn es um die Entscheidung für eine bestimmte ERP-Software geht. Etwas überraschend: Die Flexibilität der Software, die über alle Branchen hinweg den drittwichtigsten Grund (40 Prozent) für die Auswahl einer bestimmten Lösung darstellt, spielt nur für 33 Prozent der Anwender in der Automobilbranche eine Rolle bei der Auswahl. Dieses Ergebnis lässt sich aus der Beratungspraxis heraus dadurch erklären, dass die hohe Prozessreife in der Automobilbranche weniger drastische Anpassungen erfordert. Dazu passt es, dass mehr als ein Viertel der Automotive-Anwender (28 Prozent) die Branchenkompetenz des Anbieters als Auswahlkriterium nennt. In der sonstigen Industrie ist dieser Punkt nur für 13 Prozent relevant bei der Auswahl.

Die Management Summary der Studie „ERP in der Praxis“ mit den wichtigsten Ergebnissen steht zum kostenlosen Download bereit unter www.trovarit.com/erp-praxis