Der Funktionsumfang von Finanz-Software in Deutschland hat sich seit Ende des letzten Jahrtausends erheblich erweitert. Lag der Fokus früher auf der reinen Buchhaltung sowie dem Controlling für das Unternehmen, so sind die Anforderungen an den Funktionsumfang heutzutage erheblich gestiegen. Die Unterstützung von mehreren Kontenplänen für unterschiedliche Länder ist mittlerweile eher Standard als Differenzierungsmerkmal. Allerdings merkt man bei genauerer Betrachtung, dass einige Lösungen eher oberflächlich entsprechend weiterentwickelt wurden, ohne die Durchgängigkeit zu gewährleisten, die diese Systematik erfordert.

Eine erhöhte Nachfrage an Funktionsunterstützung gibt es insbesondere im Bereich der sogenannten Compliance. Das sind Anforderungen, die sich aufgrund von Gesetzen und Richtlinien, aber auch von freiwilligen Unternehmenskodizes an ein Berichtswesen ergeben. Darüber hinaus sind auch die Anforderungen an das interne Berichtswesen stark gestiegen: So ist die grafische Darstellung von zusammengefassten, tagesaktuellen Daten wie Umsätzen und deren Nachvollziehbarkeit ein großer Motivator für Unternehmen, ihr Finanzsystem zu erneuern.

„Wer hat wann womit den Umsatz generiert?“ Oder: „Wo wird mit welchem Produkt welcher Umsatz erzeugt?“ Diese und ähnliche Fragen stellt die Geschäftsführung bzw. das Management und kann nicht lange auf die Antwort einer IT-Abteilung warten, die den Bericht erst „bauen“ muss.

Durch das geänderte, volatilere Umfeld in dem sich die Unternehmen heute befinden, ist eine schnellere und transparentere Informationsbereitstellung überlebenswichtig (vgl. Trovarit-Studie “ERP in der Praxis“). Hier gilt es, Anforderungen an eine beschleunigte Abschlusserstellung („fast close“) und eine transparente Aufbereitung des Reportings sicher zu stellen

Datenaustausch mit operativen Systemen ERP, CRM etc.

Die Zahlen aus operativen Systemen werden verstärkt über ein Data Warehouse (DW-) oder ein Business Intelligence (BI-) System verdichtet und das Berichtswesen über die zuletzt genannten Werkzeuge erstellt. Dies folgt der Logik, dass Informationen einerseits sehr zeitnah gefordert sind und andererseits die Berichtsempfänger neuere Technologien (z.B. Tablet-PCs, Smartphones etc.) nutzen. Somit sind die Anforderungen der Anwender in Bezug auf Mobilität und Verfügbarkeit von Daten und Berichten „ad hoc“ (also im Bedarfsfall) in den Systemen abzubilden. Das Zusammenführen verschiedener Informationen aus unterschiedlichen Systemen muss gewährleistet werden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Geschäftsvorfälle und zur Beschleunigung der Geschäftsprozesse im Finanzbereich wird die Verbindung der Finanzsysteme mit operativen Vorsystemen (z.B. CRM, ERP), unterstützenden Systemen (z.B. ECM/DMS-Systemen) und nachgelagerten analytischen Systemen (Business Intelligence) immer weiter vorangetrieben. Weiterhin werden die Informationen aus Vorsystemen mit Finanzdaten verknüpft, um Zusammenhänge zu visualisieren.

Derzeit ist kein System am Markt verfügbar, welches „out of the box“ die mannigfaltigen Anforderungen der Unternehmen in Gänze befriedigen könnte.

Insofern bestehen in den Unternehmen in der Regel „Lösungslandschaften“, die aus mehreren Systemen zusammengestellt werden: Aus mehreren operativen Systemen (z.B. ERP, CRM, MES) sowie Spezialsystemen (die auch aus selbstentwickelten Werkzeugen bestehen können) für die Erfüllung von speziellen Teilaufgaben des Finanzwesens. Diese sind teilweise vernetzt, häufig werden aber noch Daten manuell übertragen oder Schnittstellen manuell beschickt, was eine Fehlerquelle und einen Hemmschuh für die Automatisierung des Prozesses darstellt (und damit im Gegensatz zur schnellen Verfügbarkeit von Informationen).

Insbesondere in den Bereichen Planung, Risiko Management und Konsolidierung, sowie Data Warehousing, Personalzeiterfassung und Lohn & Gehaltsabrechnung stoßen ERP-Lösungenan ihre Grenzen. Deshalb werden häufig in diesen Bereichen Speziallösungen gekapselt betrieben. Teilweise existieren standardisierte Schnittstellen zwischen den Produkten, die auch vom gleichen Hersteller kommen können. Nichtsdestoweniger handelt es sich in der Regel um separate Produkte, die nicht selten eine andere Bedieneroberfläche haben, die darunterliegenden Datenbanken differieren  und die Produkte unterliegen unterschiedlichen Update-Zyklen. Somit kann meist von einem integrierten System zur Überwachung und Steuerung eines Unternehmens keine Rede mehr sein, wenn der Anspruch der IT-Unterstützung des Finanzwesens über das Rechnungswesen hinausgeht. Dies ist bei der Mehrzahl der mittelständischen Unternehmen der Fall, wobei die Tendenz in den nächsten Jahren noch steigen wird. Aus diesem Grund werden ERP-Lösungenin den Finanzdisziplinen in den nächsten Jahren deutlich an Funktionsumfang gewinnen müssen, wenn sie dem Anspruch einer integrierten, unternehmenseinheitlichen IT-Lösung gerecht werden wollen.