Wenn Unternehmen mittels APS eine schnellere und realitätsnähere Planung und Steuerung erzielen wollen (vgl. letzten Beitrag: industrie-4-0-mit-erp-und-mrp-ii-geht-das/), dann stellt sich die Frage, wie sich die Software-Landschaft im Umfeld der inner- und überbetrieblichen Auftragsabwicklung angesichts der Herausforderungen von Industrie 4.0 zukünftig darstellt. Dabei lassen sich drei Szenarien unterscheiden.

In dem ersten Szenario bildet die eine eigenständige MES-Lösung das Bindeglied zwischen der Unternehmensleitebene mit der ERP-Software und der Prozessleitebene. Dabei fokussiert sich das MES auf den Aufgabenbereich der Fertigungsfeinplanung und -steuerung. Die meisten am Markt erhältlichen Systeme sind in diese Kategorie einzuordnen. Beim zweiten Szenario kommt ein ERP-System zum Einsatz, das die Fertigungsfeinplanung und -steuerung gemäß APS-Logik mit abdeckt und direkt an die Prozess-Leitebene angebunden wird.

D.h. es existiert kein eigenständiges MES-System, es werden MES-Funktionen in ein ERP-System implementiert und das ERP-System setzt mit seinen MES-Funktionalitäten direkt auf der Prozessleitebene auf. Im dritten Szenario übernimmt ein MES die Aufgaben von der Prozessleitebene bis hoch in die (technische) Auftragsabwicklung. Der Einsatzbereich des ERP-Systems wird dann auf Aufgaben wie die kaufmännische Auftragsabwicklung und das Finanzwesen beschränkt.

Welche Gestaltungsalternative im konkreten Fall in Frage kommt, hängt stark von dem jeweiligen Unternehmen, der Beschaffenheit der Produktion oder auch der IT- bzw. der ERP-Strategie ab. Bei den meisten Unternehmen ist heute bereits ein ERP-System im Einsatz. Dabei gibt es vereinzelt ERP-Systeme, die APS-fähig sind, bzw. auch solche, die ein eigenständiges MES-Produkt fest integrieren. In Hinblick auf die Art der Integration einer MES-Lösung stellt sich daher als erstes die Frage, ob das bereits bestehende ERP-System auch in Zukunft verwendet werden soll. Ist dies der Fall, ist seine Fähigkeit in Richtung realitätsnahe Planung und echtzeitfähige Steuerung zu prüfen. Ist diese gegeben, wird man sich für einen integrierten Ansatz auf Basis der bestehenden ERP-Lösung entscheiden (Szenario 2). Andernfalls kommen die beiden anderen Szenarien in Betracht. Eine Reihe von EPR-Anbietern verweisen in diesem Fall auf Partnerprodukte im MES-Segment, die regelmäßig mit ihrer ERP-Lösung über bewährte Schnittstellen integriert werden. Sofern sich diese MES-Lösungen grundsätzlich für den konkreten Anwendungsfall eignen, spricht die Beherrschung der Schnittstellenproblematik durchaus für die empfohlene Lösungskombination.

Wenn das bestehende ERP-System ersetzt werden soll, steht der Weg wiederum für einen integrierten Ansatz gemäß Szenario 2 offen, sofern ein ERP-System verfügbar ist, dass die Prozesse eines Unternehmens in geeigneter Weise unterstützt und APS-fähig ist.